Billige Nahrungsmittel, billige Mode, billige Möbel, billig reisen und fliegen
Verödete Dörfer, verlassene Landschaften, der Wald wächst, Almen und Wiesen werden aufgegeben, weil in Asien, Südamerika und sonst wo billig, unsozial und hochindustriell produziert werden kann.
Verelendung der Ess- und Trinkkultur, in den Industriegesellschaften werden die Ärmsten immer dicker, leerstehende Geschäftslokale, verwaiste Innenstädte verlieren an Bedeutung und Wert.
Jeder Lebensmittelskandal der letzten Jahrzehnte ist unter diesem Druck entstanden, es wird geforscht und experimentiert auf Teufel komm raus, um lebensmittelähnliche Ersatzstoffe zu erzeugen. Wir drehen an der Billigspirale, die die große Mehrheit nach unten drückt. Wenn wir tiefere Preise haben, haben wir tiefere Löhne. Wenn wir tiefere Löhne haben, sind wir auf billige Preise angewiesen. Wer ganz unten in der Lohnhierarchie ist, kann noch so schnell laufen, er wird nie auf ein respektables Auskommen kommen.
Auf der anderen Seite werden vereinzelt Managergehälter gezahlt, die vom gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehbar sind, bestenfalls noch von hoffärtigen Betriebsberatern. Natürlich unter dem gigantischen Druck des Shareholder Values oder genereller gesagt der heutigen Finanzmärkte.
Die Grundbotschaft vom billigen Preis klingt ja positiv, aber die Methoden der weltweiten Diskontketten zerstören schrittweise nicht nur gewachsene Handelslandschaften, sondern auch soziale Netze und kulturelle Werte.
Warum fragen wir uns nicht öfter so wie früher, wieso kann der so billig sein, da stimmt vielleicht was nicht? Jahrelange und stete geistige Umerziehung durch Werbung für den billigsten Preis zeigt eben jetzt ihre Wirkung. Dabei wissen wir sehr wohl, dass da vielleicht etwas nicht stimmt im Gefüge und es auch anders gehen könnte, zum Wohle aller.
Fair Trade weltweit wäre ein Ansatz, weil ein Umdenken stattfindet, unterstützt auch durch christliche Aktivitäten, NGOs , Tierschutz, WWF, 4 Pfoten, Arche Noah, Green Peace, Slow Food etc. Diese Organisationen haben weltweit Zulauf, oft mehr als politische Parteien.
Wir dürfen aber auch nicht nachlassen und unsere gewählten Mandatare an ihre Aufgaben erinnern. Vor Jahrzehnten schon gab es den sogenannten ökosozialen Weg vom ehemaligen Landwirtschaftsminister Dr. Josef Riegler, der 1987 propagierte: „Den Weg zur Neuorientierung sehen wir in einer ökosozialen Landwirtschaft, die ihre gesamtgesellschaftlichen Ziele durch eine ökonomisch leistungsfähige, ökologisch verantwortungsvolle und sozial orientierte bäuerliche Landwirtschaft erreicht.“
Wir erhalten unsere Landschaft, produzieren Agrarprodukte aus biologischem Landbau, bei Artenschutz und artgerechter Tierhaltung, verteilt von Direktvermarktern, Bauernmärkten oder fairem Lebensmittelhandel. Nahversorgung und Bedarfsdeckung von Gütern und Dienstleistungen innerhalb räumlicher Grenzen wie Region oder Nation. Schutzzölle für alles nicht fair Gehandelte.
Betriebsansiedelung in der Innenstadt durch leistbare Mieten. Unsere Innenstädte brauchen ein regionales Image, derzeit werden sie zunehmend austauschbar und verlieren an Charakter.
Wie viele Kilometer liegen auf deinem Frühstücksteller oder in deinem Weinkeller – Kalifornien, Chile, China, Australien. Oder wie viele Erdumrundungen hängen in deinem Kleiderschrank, stehen im Schuhkastl … Deine Möbel, deine Steinplatten auf der Terrasse – von wo kommt’s her? Ziemlich sicher gibt es keine Kostenwahrheit, was den Transport betrifft.
Kultivieren wir unser Sensorium, lassen wir diese Gedanken in jeden Lebensbereich dringen – denn Geiz ist nicht geil, Geiz ist eine Sünde.
Versuchen wir als Konsumentinnen und Konsumenten Druck zu machen, denn warum sind die Diskonter so nett zu uns und mühen sich ab, damit wir billige Produkte bekommen. Ich sage nett, denn sozial sind sie ja oft nicht.
Der Konsum Genossenschaft war das einzige Konzept in Österreich, das damals angetreten ist, um der Arbeiterschaft preiswerte Lebensmittel zu verkaufen. So wie auch zum Beispiel ein anderer Genossenschafter, Herr Friedrich Wilhelm Raiffeisen, angetreten war, um die große wirtschaftliche Not der Bevölkerung zu lindern (1818 – 1888, 1862 Gründung).
Coopernic ist eine aktuelle Einkaufsgemeinschaft europäischer Einzelhandelsketten. Hauptziel ist die gemeinsame Beschaffung international handelbarer Güter, um so günstigere Preise erzielen und die Kosten von Zwischenhandel und Logistik senken zu können, möglicherweise aber auch Mitverursacher der Jobverschiebungen in Richtung Asien.
Das Primat der Politik über die Wirtschaft wiederherstellen, was aber nichts mit Verstaatlichung zu tun hat, Herr Babler, sondern Handlungsspielräume für eine regionale und nationale Wirtschaftspolitik zurückzugewinnen, um so eine weltweite und nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen, in deren Mittelpunkt eine gerechtere Verteilung steht.
Wenn die Politik ihre Aufgaben erledigt, werden wir auch in kürze lesbare, ehrliche Etiketten mit Ursprungsbezeichnung bei Transportkosten-Wahrheit auf unseren biologischen und fair gehandelten Produkten finden.
„Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.“ (Oscar Wilde)