Mostkost

Ein Mostschädl zerbricht sich den Kopf.

Beim eher zufälligen Genuss eines „Cidre tranquille“ aus der Normandie kam mir schmerzlich die Mostentwicklung im Mostviertel und im klassischen Mostland ob der Enns, in Erinnerung.

Warum erinnern mich die Cidre des nordwestlichen Frankreich, der Bretagne und der Normandie, eher an die ruralen kräftigen Möste unserer Vorfahren bzw. meiner Jugend, als die neuen Möste aus den Stahltanks, niedergefiltert, blank und sauber auf Flaschen gezogen, teilweise ihrer Säure und Identität beraubt. Als sortenreine stille Birn- und Apfelmöste oder liebliche Birnen- Frizzante, in Stielgläsern, blank und sauber, achterl-weise  kredenzt, meist zu Weinpreisen.

Mostbauern, ihr seid nicht in Konkurrenz zu den Weinbauern oder Bierbrauern, ihr seid im Mitbewerb um ehrlichen regionalen Genuss.

Zurück an den Start, Mostsommeliers!

Ich möchte wieder einen Landlbirn, Mischling, evtl. Apfelmost, traut euch wieder ans Holzfass. Das Holz macht ja was mit dem Most. Meinetwegen serviert mir einen „Landlbirn – sur lie – Barrique“ (von der Hefe gezogener, unfiltrierter Landlbirnmost aus dem Holzfass).

Statt einem lieblichen Birnen Frizzante möchte ich einen Pet-Nat von der Hirschbirne verkosten. Pet Nat oder Methode ancestrale erfährt gerade eine Renaissance, die Urschaumwein Methode erfährt nur eine Gärung. Diese beginnt im Fass, nach Erfahrungswerten wird dann während der Gärung der Most auf Flaschen abgezogen. In der Normandie nehmen die kleinen Mostbauern dafür gebrauchte, gereinigte Champagnerflaschen die den Gärungsdruck auch aushalten. Die werden auch nicht degorgiert, naturtrüb, frisch mit natürlicher Kohlensäure, ein rurales Trinkvergnügen.

Die Bierbrauer verkaufen uns ja auch, mit Erfolg naturtrübe Zwicklbiere. Wann traut ihr euch wieder über einen naturtrüben Most in einem gefälligen Krügel, statt in einem Weinglas.

Und weil ich gerade so schön im Flow bin, eure überladenen sogenannten „Brettljausen“ mit einem Sammelsurium- Misch Masch von Topfen, Zwiebelringen, Ölpfefferoni, billigstem Edamer, einem Löffel Bratlfett’n, Speck, Bratl und ein dickes Radl Braunschweiger, ein Senfbatzen zwischendrin, aufgemascherlt mit rohen Gurkenscheiben und ein paar Spalten Paradeiser (und das nicht nur zur Sommerszeit) sind auch schon ziemlich old school. Über die Qualität des dazu gereichten Brotes lässt sich meist auch diskutieren.

Für manche mag ja gelten: Hauptsache viel wars, nicht zum Wegessen, her mit dem Pensionisten-Silber (Alu-Folie) zum Einpacken.

Es geht auch anders, ein kaltes Schweinernes – kein Karree, sondern Bauch, Schopf, Stelze mit knusprigem Schwartl, Speckrenkerl – jetzt darfs vom Karree sein, Saumaisen, Fleischlaberl, Geselchtes, kaltes Schnitzl oder Backhendl, mit bäuerlicher Tradition, stolz und nach alter überlieferter Sur-Kunst hergestellt. Jede Bäuerin etwas anders, von Hof zu Hof verschieden. Biologische kulturelle Vielfalt die nicht verschwinden darf.

Es muss auch nicht eine schön dekorierte Aufschnittplatte, wie von der Seminarbäuerin( einer ehrenwerten, wertvollen Institution) antrainiert, sein.

Ein Holztisch, ein Brettl, ein scharfes Messer, Fleisch und Käse am Stück, Aufstrich im Schüsserl, Salz und Pfeffer am Tisch, Schmalzgebackenes als Nachspeis, keine Bananenschnitte wie bei jedem Feuerwehrfest.

Mit allen Sinnen, der Ursprung, als „vom Hof“ erkennbar.

Und jetzt dazu ein Krügel Most, perlend, still, trüb oder blank, egal, kräftig und dicht im Geschmack.

Oder braucht’s erst einen Slow Food Führer oder die Haube für Mostbauern der diese Maßstäbe einfordert.

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